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David Lynch "Im Schneideraum habe ich wie verrückt geweint"
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| Der Meister des Abseitigen hat seine Drohung wahrgemacht: In "Eine wahre Geschichte - The Straight Strory" erzählt Regisseur David Lynch tatsächlich eine "straighte", bestechend geradlinige Geschichte. Sein road movie - die wahre Odyssee des 73jährigen Alvin Straight, der auf seinem Rasenmäher durchs amerikanische Heartland fährt - zielt und trifft mitten ins Herz |
Mit Ihrem Namen verbindet man düstere Obsessionen und verstörende Wirklichkeiten. Sind die wilden Zeiten von "Wild at Heart", "Blue Velvet" oder "Lost Highway" vorbei? Bedeutet "Straight Story" eine Rückkehr in den Schoß der Bürgerlichkeit?
Keine Angst, ich bin nicht brav und spießbürgerlich geworden. Aber jeder Mensch hat verschiedene Seiten und in manchen Lebensphasen setzt man neue Akzente. Ich weiß nie, was mich als nächstes reizt. Vielleicht drehe ich wieder einen schwarzen, wilden und verrückten Film.
Was brachte Sie zu der Geschichte von Alvin Straight?
Die starke Emotion und die wunderbare Langsamkeit haben mich fasziniert. Wenn man sich langsam bewegt, sieht man mehr. Wir hetzen doch nur durch unser Leben, der Tag geht ruckzuck zu Ende., am Abend erinnern wir uns an nichts. Die Direktheit und auch vielleicht die "Naivität" der Geschichte ließen mich nicht mehr los, nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte.
Alle Figuren wirken so natürlich, wie haben Sie das fertiggebracht?
Ein Großteil der Schauspieler kam aus Minneapolis oder Chicago, die nächsten großen Städte. Sie kennen die Sprache und die Mentalität, das hilft. Wir lebten und arbeiteten in den Kleinstädten auf dem Land und konnten uns auf die Erfahrungen der Einheimischen stützen, wir drehten sogar im Haus des echten Alvin. Es gab auch keine große Maskenabteilung. jeder - bis auf Sissy Spacek -schminkte und frisierte sich selbst. Und Richard Farnsworth trug sogar seine eigenen Stiefel. Authentischer als er konnte niemand sein.
In Ihren früheren Filmen gab es Exzesse, jetzt besteht Ihr Amerika eigentlich nur aus netten, hilfsbereiten Menschen.
Ich weiß, das irritiert einige Zuschauer. Aber ich erzähle eine wahre Begebenheit. Und der wirkliche Alvin Straight traf Leute, die ihn unterstützten. Das liegt an der Gegend, da lebt man wie in einer großen Familie und muss sich aufeinander verlassen können.
Amerika setzt ganz konventionell auf Familienwerte. Und Sie?
Familie war mir nie so wichtig. Erst spät erkannte ich, dass sie unser Verhalten und unser ganzes Leben bestimmt.
Bei "Straight Story" möchte man heulen. Sind Sie sentimental?
Im Schneideraum habe ich wie verrückt geweint. Als ich die passende Musik aussuchte, kamen die Gefühle wieder hoch und jedesmal, wenn ich mir den Film ansehe, schnürt es mir die Kehle zu. Ich bin sonst nicht nah am Wasser gebaut, aber diese Geschichte berührt einen wunden Punkt in mir.
Das Gespräch führte
Margret Köhler