CINEMA 12 / 84 Dune - Special

DUNE Der Wüstenplanet

Eines der größten Werke der Science-fiction Literatur kommt auf die Leinwand: "Dune" von Frank Herbert. Der Roman galt lange als unverfilmbar - doch David Lynch ("Eraserhead") setzte ihn für 75 Millionen Dollar in Szene

Die siegreiche Tour de force seines messianischen Helden durch die Galaxie des Wüstenplaneten ist laut Romanautor Frank Herbert eine Metapher: Spirituelle Kräfte seien es, und nicht etwa physische oder miltärische, die Überwindung selbst mächtigster Gegner möglich machen. Mit dieser Botschaft traf der 1963 als Zeitschriftenstory publizierte Roman "Dune - Der Wüstenplanet" zielsicher in die begründete Phase eines allgemein erstarkenden Selbstbewußtseins. Und um genau diese Botschaft geht es jetzt - zwanzig Jahre danach - dem Regisseur und Filmemacher David Lynch, der schon in seinem Film "Der Elefantenmensch" gezeigt hatte, daß "die innere Würde, die spirituelle Kraft eines Menschen auch über extreme äußere Mißstäne triumphieren" kann.
Dem entsprechen auch die "Dune"-Dekors: der Zeitlupen-Wellenschlag wandernder Sanddünen, zu hochspezialisierten Organismen mutierte Menschen, Riesenwürmer und Truppenaufmärsche als phallische Paraden, schließlich Menschen mit tiefblauen Augäpfeln, verfärbt durch jahrelanges Hoffen auf Befreiung.
In diesem mythischen Rahmen spielt die Odyssee eines Fürstensohnes, der neuer Herrscher des galaktischen Imperiums werden soll.
Paul Atreides war sehr nachdenklich an diesem letzten Abend seines Aufenthaltes auf Caladan, dem fruchtbaren Planeten. Mit dem Studium von Landkarten und geographischen Büchern bereitete sich der Fünfzehnjährige auf seine neue Heimat vor: den Wüstenplaneten Dune.
Dune war von grundlegender Bedeutung für den Bestand des galaktischen Imperiums. Hier allein wurde das "Gewürz" gewonnen, jene Droge, die übersinnliche Kräfte verlieh. Sie erlaubte es der mächtigen Raumgilde, durch Vordringen in die vierte Dimension die interstellare Raumfahrt zu sichern: sie gestatte dem Schwesternorden der Bene Gesserit Prophetie und Geburtenmanipulation. Paul Atreides ahnte nicht, daß gleichzeitig im Herzen des Imperiums eine Konferenz abgehalten wurde, die über sein Schicksal entschied: Shaddam IV. empfing eine Abordnung der "Raumgilde". Die Vertreter zeigten sich beunruhigt, weil sie erfahren hatten, daß Shaddam IV. an einem riskanten Komplott arbeitete. Er hatte den populären Fürst Leo Atreides - Oberhaupt eines der Hohen Häuser - mit der Regentschaft über den Wüstenplaneten betraut, um ihn dort von seinem Erzfeind, dem vorigen Dune-Regenten Wladimir Harkonnen, aus dem Wege räumen zu lassen.
Der Angriff seiner Truppen gelingt, ein grausames Gemetzel beginnt. Die unvorbereiteten Heere der Atreides leisten nur unzureichenden Widerstand - schon bald werden der Herzog, seine Frau und sein Sohn gefangengenommen. Jessica und Paul Atreides sollen nach dem Willen des Harkonnen-Herrschers in der Wüste verschmachten und werden dort ausgesetzt. Leto beißt in dem Glauben, seinen Widersacher damit ebenfalls umzubringen, auf eine Giftkapsel. Er reißt jedoch nur einen Neffen des Fürsten mit in den Tod.
Nicht allein die Hitze bedeutet in der Dune-Wüste den sicheren Tod jedes Menschen. Viel gefährlicher noch sind die gigantischen Sandwürmer von mehreren hundert Metern Länge, die selbst Gestein verschlingen können und Mescnhen angreifen, wo immer sie auf sie aufmerksam werden. Bändigen können diese Sandwürmer nur die Eingeborenen des Planeten Dune, die Fremen. Doch auch sie sind Gegner der Menschen - von ihnen unterdrückt und zum Abbau des Gewürzes gezwungen.
Für Jessica Atreides und ihren Sohn Paul jedoch werden die Fremen zur Rettung. Sie wehren den Angriff eines Sandwurms auf die beiden Ausgesetzten ab, weil sie Jessica als Bene Gesserit identifizieren, eine Angehörige des Heiligen Ordens. In den alten Mythen ihres Volkes war geweissagt worden, daß es eine Bene gesserit sei, die den Fremen ihren Befreier schickt.
Nach anfänglich feinbdlicher Aufnahme sind die Fremen mehr und mehr davon überzeugt, daß Paul Atreides "Der Versprochene" ist. Sie nehmen ihn auf und nennen ihn Paul Muad`Dib. Das hübsche Fremenmädchen Chani fällt Paul ins Auge, die beiden verlieben sich. Angeregt durch das ihn überall umgebende "Gewürz", lernt Paul, Gedanken zu lesen und in Vergangenheit und Zukunft zu sehen. Er erkennt seine Bestimmung als Erlöser der Fremen.
Paul lernt alle Geheimnisse der Fremen kennen, vollzieht ihre Riten, trinkt vom geheimnisvollen Wasser des Lebens und lernt, auf den gewaltigen Sandwürmern zu reiten. Auch seine Augen färben sich tiefblau. Von seiner Mutter lernt er, daß Willenskraft zur mächtigsten Waffe werden kann.
Paul bildet die Fremen für den "heiligen Krieg" aus. Mit Spezial-Kommandos überfällt er blitzartig die Gewürz-Bergwerke und sabotiert immer häufiger den Abbau des magischen Wirkstoffes.
Das alarmierte die Mächtigen des galaktischen Imperiums. Shaddam IV. befiehlt dem Baron Harkonnen, die aufständischen Fremen zu vernichten. Um sicherzustellen, daß dieser Auftrag erfüllt wird, setzt er sich schließlich selbst mit seiner gesamten Kriegsflotte zum Wüstenplaneten in Bewegung.
Aber Paul und die Heerscharen der ihm treu ergebenen Fremen sind zum Endkampf bereit. Eine mörderische Schlacht beginnt: Raumschiffe zerschellen, die aufgestörten Sandwürmer durchpflügen die feindlichen Linien. Die Harkonnen werden besiegt, der Imperator fällt in die Hände der Fremen. Auch der letzte Trumpf Shaddams IV. sticht nicht ...
Um der neue Imperator der Großen Galaxie werden zu können, verlangt Paul, formal mit der Prinzessin Irulan, der Tochter Shaddams, verheiratet zu werden. Und auch, wenn sich die Legende erfüllt: Kaum hat Paul die Macht im galaktischen Imperium, beginnt er bereits, die Mittel der Mächtigen zu nutzen. Obwohl er eine Herrschaft des Friedens führen will, sind neue Konflikte bereits vorgezeichnet.

Back to Interviews and Articles