Tagesspiegel; 15.12. 1984
Sonst noch auf der Leinwand:
Der Wüstenplanet

Für die Zuschauer, die den gleichnamigen Roman von Frank Herbert gelesen haben und davon begeistert waren, ist diese 50-Millionen-Dollar-Verfilmung nur ganz selten vergnüglich (mag sein, daß es denen, die den Roman nicht kennen, etwas besser geht). Das liegt daran, daß die Hauptrollen ziemlich schwach besetzt sind - vor allem Kyle MacLachlan als Paul Atreides läßt sich nur mit Mühe als der zukünftige Herrscher über das Universum vorstellen. Die Liebesgeschichte mit Chani (gespielt von Sean Young) findet im Film beinahe nicht statt. Einmal, als sich Paul Atreides und Chani küssen, entsteht eine fast peinlich wirkende Leere. Mit so etwas weiß David Lynch (Drehbuch und Regie) offensichtlich nichts anzufangen. Statt dessen hat er dafür gesorgt, daß seine aus den beiden vorangegangenen Filmen - "Eraserhead" und "Der Elefantenmensch" - bekannte Obsession für das Häßliche und Eklige auch hier nicht zu kurz kommt. Der Böse des Romans, Baron Vladimir Harkonnen, ist nicht nur unendlich fett, sondern sein Gesicht ist von Geschwüren regelrecht deformiert. In einer durch nichts gerechtfertigten übermäßig langen Szene darf man zuschauen, wie sein Leibarzt mit verzücktem Gesicht in diesen Geschwüren herumspritzt. Aber auch Leute, denen diese Szenen gefallen, müssen sich vorher durch allerlei künstlerisches Gestrüpp - weil David Lynch natürlich auch einen Meilenstein der Filmgeschichte hat hinterlassen wollen - durcharbeiten.
Rudolf Thome

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