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Frankfurter Rundschau; 20.3. 1985 |
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Das Herz des menschlichen Monsters
Joseph John Merrick (1863-1890) war aufgrund einer unheilbaren Krankheit (Multiple
Neurofibromatose) aufs grausamste verunstaltet: Ein menschliches Monster mit riesigem Kopf, nur einem Auge, einem winzigen Schiefmund, über und über bedeckt von Gewächsen, Hautlappen und Auswüchsen - eine Attraktion auf dem Jahrmarkt (in einer Freak-Show mit siamesischen Zwillingen, Zwergen und Riesen), bis ihn 1884 der Londoner Arzt Frederick Treves entdeckte, zu sich ins Hospital nahm und unter dem Ekel-Äußeren einen empfindsamen und liebenswerten Menschen entdeckte. Eine halbe Stunde läßt der amerikanische Regisseur David K. Lynch
("Eraserhead")
vergehen, bevor er die Zuschauer mit dem Anblick seines "Elefantenmenschen" erstmals konfrontiert: Doch bis dahin gelingt es ihm, die Spannung um dieses Wesen so geschickt abzubauen, daß nicht Schock und Horror, sondern Mitgefühl, nicht Angst, sondern Anteilnahme möglich ist. Die aufrüttelnde und anrührende Studie um diesen wohl häßlichsten Menschen geriet ihm darüber hinaus zu einem
brillanten Zeitpanorama der viktorianischen Epoche, in der die modernen Industriemaschinen als die wahren Monster gezeigt werden. Selten fand ein Film, der in keines der gängigen Genres einzuordnen ist, so ungeteilt die Zustimmung der internationalen Kritik wie Lynchs Meisterwerk. "In ungemein plastischen und kontrastreichen Schwarzweiß-Aufnahmen entwickelt der Regisseur am Beispiel eines Außenseiterschicksals das Gesicht einer Epoche, das von der Ambivalenz des Fortschritts geprägt war, von den Umwälzungen der Technik, der Zerstörung der Natur, aber auch von dern Errungenschaften und Entdeckungen des menschlichen Geistes wie nie zuvor", kommentierte die ARD-Redaktion. Die Darsteller sind - neben John Hurt als John - Anthony Hopkins, Anne
Bancroft, John Gielgud und Freddie Jones. |