Kieler
Nachrichten 13. 1. 1994 |
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Filmkritik: "Eraserhead" - Ein Kultfilm wieder im Kino Lynchs
Debüt mit neuem Ton Vor diesem Film muß man
warnen. Und man will ihn anpreisen. Warnen, weil er für Schwangere,
Labile zu akuten Gesundheitsstörungen führen kann. Anpreisen, weil es
sich um ein Meisterwerk des surrealen Grauens handelt. Heute kennt man
seinen Schöpfer David Lynch wegen "Blue Velvet" oder "Wild at Heart"
oder der Serienrevolution "Twin Peaks". Wegen Filmen also, die alle
mit schaurigen Geheimnissen hantieren, wo Kitsch und Horror ein obsessives
Schäferstündchen verbringen. David Lynch war 26 Jahre alt, als er am
29. Mai die erste Klappe für "Eraserhead" fallen ließ. Nach fast fünf
Jahren, in denen die Filmhochschule den Studenten Lynch vor die Tür
gesetzt hat, kam der Film heraus. Nun ist der Kultfilm - einer, der
den Namen wirklich verdient - neu vertont zu sehen. Als Originalfassung
mit Untertiteln, mit übrigens ziemlich schlechten Untertiteln. In "Eraserhead"
geht es im Grunde um einen wunderlichen jungen Mann namens Henry Spencer.
Henrys Frisur ist hochtoupiert, immer trägt er einen dunklen Anzug mit
zu kurzen Hosen. Henry ist Vater geworden. Von seinem Kind sieht man
nur den Kopf, der aussieht wie ein frisch gehäutetes Kalbsjunges. Keine
Nase, geränderte Augen, ein spuckendes Mäulchen. Die Familie der Mutter,
ihr inklusive, besteht entweder aus Halbtoten oder ganz psychopathischen
Naturen. Henrys Freundin ist ein Mädchen, das er hinter der Heizung
seiner erbärmlichen Wohnung zu erkennen glaubt. Es hat künstliche Bäckchen,
tanzt und tritt dabei auf Spermien, die spaghettilang und fingerdick
von der Decke fallen. Die Nachbereitung des Tons läßt die Wirkung des
in hartem Schwarzweiß aufgenommenen Bildern noch steigern. Das Zischen
der Güterzüge, das Pfeifen des Windes liegen über dieser unwirklichen
Welt. Lynch zeigte mit seinem ersten abendfüllenden Film, wozu er in
der Lage war. Wer sein Oeuvre mag, wird viele Motive wiedererkennen,
die später auftauchen.
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