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aus Kinovum.de
Filmbuch der Woche |
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film-dienst, Februar 1999 »A Strange World«. Das Universum des David Lynch Hrsg. von Eckhard Pabst. Verlag Ludwig, Kiel 1998, 334 Seiten, 48,00 DM. (Dies ist eine umfangreichere Fassung der gedruckten Film-Dienst Besprechung.)
Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. In ganzen siebzehn Beiträgen wird hier ein zum Programm erhobener motivisch-thematischer Zugang zum Werk David Lynchs unternommen. Eine erste Einführung will dieser Band nicht sein (die Kenntnis der Filme wird vorausgesetzt), er macht daher chronologisch angelegte Gesamtdarstellungen wie die von Georg Seeßlen und, mit stärker biographischer Akzentsetzung, von Robert Fischer (beide in dritter, erweiterter Auflage 1997) nicht überflüssig. Mit Bezeichnungen wie »Lynchville« (Seeßlen) und »Lynchtown« (Fischer) hat man schon früh auf den Begriff gebracht, daß David Lynch Filmwelten mit sehr eigenen Strukturen schafft. Das »Universum« des David Lynch ist jedoch mehr, es besteht nicht nur aus der Stadt und dem Inneren von architektonisch abgegrenzten Räumen. Dies zeigen die in der ersten von drei Gruppen zusammengefaßten Beiträge über »Grenzen, Ordnungen, Realitäten«. Zu vergleichbaren Ergebnissen über die Struktur dieses Universums kommen Eckhard Pabst und Olaf Schwarz: Sowohl die Architektur, deren Außenseite vielfach ›Leerstellen‹ aufweist, als auch die fantastischen Elemente der (als Ganzes keineswegs fantastischen) Filme verweisen auf eine unbestimmt bleibende ›metaphysische‹ Instanz, die den Erscheinungen der oberflächlichen Welt übergeordnet ist. Ein solches ›Anderes‹ findet sich auch in der Gestaltung des Wahnsinns, den Daniela Langer mit Foucault als das »verdrängte Wahre« herausarbeitet. Der Lesart von Lynchs Filmen als »Traumerfahrungen« geht Maurice Lahde nach, und Drehli Robnik beschäftigt sich mit dem über die Tonspur konstituierten Bedeutungsraum. Bieten schon die Ergebnisse dieses Teils reichlich Material für eine ideologiekritische Einschätzung (besonders bei den Autoren, die sich mit einer solchen zurückhalten), so erst recht die des Abschnitts »Körper, Konfrontationen, Geschlechter«. Es geht um Erzählstrategien der Gewalt (Petra Grimm), die Kreativität der Außenseiter (Kai Jürgens), »Deformationen als ambigue Zeichen künstlerischer Freiheit und zerstörerischer Macht« (Ulrich Bähr) sowie »Kontrolle und Kontrollverlust des Körpers« (Helga Bechmann). Daß man bei Lynch immer unterscheiden muß zwischen dem Gegenstand (›matter‹) einerseits und der Art und Weise der Darstellung (›manner‹) andererseits, belegt der Vergleich der Beiträge von Gerald Koll (»FRauen, ERotik und deR veRgewaltigende Buchstabe«) und Anne Jerslev (»Visualität und ›gendered meaning‹ bei David Lynch«): Während Koll auf der Ebene des Gehalts die ›Entmenschlichung der Frau zum geheimnisvollen Wesen‹ konstatiert, zeigt Jerslev, daß Lynch durch sein vorrangiges Interesse an der Darstellung von Oberflächenphänomenen den eindeutigen, mächtigen und als solchen ›männlichen‹ Über-Blick demontiere, der entsprechend der Haltung des auktorialen, allwissenden Erzählers das klassische Hollywood-Kino dominiere. Eine sinnvolle ideologiekritische Beurteilung der Filme Lynchs kann auf dieser Grundlage jeweils nur für Teilaspekte gelten, eine Gesamtwertung bliebe mindestens anfechtbar. Schon die Worte Alice Wakefields, »You’ll never have me«, gegenüber Pete Dayton in Lost Highway versteht Jerslev so, daß Alice ein Rätsel bleiben will, in offenbar neutraler bis positiver Wertung. Koll hingegen begreift die Mystifikation der Frauen als Stilisierung des ›männlichen‹ Blicks, in negativer Wertung. Lynchs Filme haben einen eminent zeichenhaften Charakter: Zugunsten einer Ästhetik des sich selbst genügenden Kunstwerks entziehen sie sich insbesondere einer Verpflichtung der Kunst auf Abbildung der Wirklichkeit (etwa im Sinne eines psychologischen Realismus). Dies bildet die Signatur des letzten Abschnitts, »Zeichen, Kommunikationen, Referenzen«. Behandelt werden Selbstreflexion und Selbstreferenz in »Twin Peaks« und »Lost Highway« (Petra Kallweit), der »Status von Sprache in den augenscheinlich blickzentrierten Welten David Lynchs« (Hans Krah), die auffällig religiös gefärbte Verwendung der vier Elemente (Hans Heidebreck) und die Funktion der Popsongs in »Blue Velvet«, »Wild at Heart« und »Lost Highway« (Didi Neidhart). Ferner weist Werner Barg, ausgehend von einem Vergleich mit Bildern Magrittes, die surrealen Welten hinter dem Vorhang bei Lynch als effekthaschende, banalisierte Form eines Kinos der Grausamkeit nach. Einen Beleg für die Dichte der symbolischen Verweisungszusammenhänge (auch über den einzelnen Film hinaus) in Lynchs Werk bietet schließlich die Analyse des nur scheinbar abseitigen Hunde-Motivs (Pekka Leiß). Kennzeichnend für den gesamten Band ist das Bemühen der Autoren, die wiederkehrenden Motive und Strukturen in Lynchs Filmen herauszuarbeiten, ohne jedoch Entwicklungen und Widersprüche ›wegzuerklären‹. Ein Anspruch, Endgültiges zu sagen, wird nicht erhoben; der Band habe seinen Sinn erfüllt, wenn er in der Strittigkeit seiner Thesen einen Anteil an der weiteren Diskussion um Lynch habe. Trotz und gerade ob dieser Bescheidenheit darf man wohl sagen, daß die Literatur über Lynchs Filme um einen anspruchsvollen, beachtenswerten Beitrag reicher geworden ist. (Nicht verschwiegen werden sollte indes, daß der sprachliche Duktus die Herkunft des Bandes aus dem universitären Milieu nicht leugnet; erste Hilfe bietet immerhin das beigefügte Glossar.)
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frame 25 Die Filmzeitschrift 2/99, S. 20 »Eine fremde, seltsame Welt« |
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ekz-Informationsdienst 7/99 Verschiedene Autoren befassen sich mit den Filmen David Lynchs, gehen jedoch |