Das Universum des David Lynch

Es sind fremde, seltsame Welten, die David Lynch uns in seinen Filmen zeigt. Das verschlafene Provinznest oder die donnernde Metropole; Welten, die auf den Raum- und Zeitachsen in Richtung entlegener Extreme verschoben sind, oder solche, die sich in scheinbar gegenwärtige Horizonte einpassen. Doch so sehr sich die Filme an der Oberfläche auch unterscheiden mögen, die Ordnungsmuster ähneln sich, und die Probleme, denen sich die Protagonisten zu stellen haben, kehren wieder. Es scheint, als sei jene strange world , in die Jeffrey in Blue Velvet eintritt, das weit ausgreifende, übergeordnete System, zu dem David Lynch mit jedem seiner Filme nur eine andere Tür öffnet. 

Und was uns mit jedem Eintreten vertrauter wird, ist nicht der jeweils auszumessende Gesichtskreis, sondern die Fremdheit des Ganzen. Die Autorengruppe dieses Sammelbandes verfolgt einen neuen und doch naheliegenden Ansatz zur Erforschung des Universum des David Lynch: Nicht Film für Film, sondern Motiv für Motiv durchleuchten die Autoren Lynchs Oeuvre. Jeder Aufsatz bietet eine neue Perspektive auf das Werkganze, jeweils mit einem anderen Schwerpunkt (z. B. Sprache, Gewalt, Erotik, Wahnsinn, Architektur). Die Textsammlung macht damit diese strange world in ihrer Organisation transparent und begreifbar. Es entsteht ein "Leitfaden" durch das filmische Universum eines eigenwilligen Künstlers.


I. Grenzen, Ordnungen, Realitäten

 

"He will look where we cannot."
Raum und Architektur in den Filmen David Lynchs
Eckhard Pabst
Außengeräusche.

Das Intervall, das Sprechen, das Wohnen, das Sound Design
und das Ganze in den Filmen David Lynchs

Drehli Robnick
"The owls are not what they seem."
Zur Funktionalität 'fantastischer' Elemente in den Filmen David Lynchs
Olaf Schwarz
Die Wahrheit des Wahnsinns.
Zum Verhältnis von Identität, Wahnsinn und Gesellschaft in den
Filmen David Lynchs
Daniela Langer
"We live inside a dream."
David Lynchs Filme als Traumerfahrungen
Maurice Lahde
 

II. Körper, Konfrontationen, Geschlechter

 

Erzählstrategien der Gewalt und Sieg der Konvention Petra Grimm
"The sleeper must awaken."
Über Außenseiter und Kreativität in den Filmen David Lynchs
Kai Jürgens
Der Körper: Kontrolle und Kontrollverlust Helga Bechmann
Say: 'Fuck Me!' Invitation to Love
FRauen, ERotik und deR veRgewaltigende Buchstabe
Gerald Koll
"Dealing with the human form."
Deformation als ambigue Zeichen künstlerischer Freiheit und zerstörerischer Macht
Ulrich Bähr
"You`ll never have me."
Visualität und 'gendered meaning' bei David Lynch
Anne Jerslev
 

III. Zeichen, Kommunikationen, Referenzen

 

Anmerkungen zur Selbstreflexion und Selbstreferenz in Twin Peaks und Lost Highway Petra Kallweit
'Menschliche Redeakte' und 'wahrhafte Zeichen'. 

Zum Status von Sprache in den augenscheinlich blickzentrierten Welten David Lynchs

Hans Krah
Hinter dem roten Vorhang
Notizen zum Kino der Grausamkeit in den Filmen David Lynchs
Werner Barg
Das Bild des Hundes in den Filmen David Lynchs Pekka Leiß
Fire Walk With Me
Feuer, Wasser, Erde, Luft: Die Elemente in den Filmen David Lynchs
Hans Heydebreck
From Blue Velvet Underground to Wild Mainstream.
Zur Funktion der Popsongs in den Filmen Blue Velvet, Wild At Heart und Lost Highway
Didi Neidhart