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Kieler Nachrichten, 3. Januar 2002 |
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Verwirrspiel ohne Lösungsheft
Mulholland Drive Regie: David Lynch Nach dem harmlosen Altherren-Roadmovie Straight Story macht sich David Lynch mit seinem neuen Film Mulholland Drive wieder auf die Reise durch die Labyrinthe des Unterbewussten. Auf einer verschlungenen Serpentinenstraße hoch über dem Lichtermeer von Los Angeles überlebt eine unbekannte Schöne (Laura Elena Harring) als Einzige einen Unfall. Am Morgen danach landet ein naives Mädchen aus der kanadischen Provinz in L.A. und führt den Traum vom Schauspielerruhm mit im Gepäck. In ihrem Apartment trifft Betty (Naomi Watts) auf die Unbekannte, die durch den Unfall ihr Gedächtnis verloren hat. Die beiden Frauen machen sich auf die Suche nach ihrer wahren Identität, geraten gemeinsam in Gefahr und verlieben sich in einander. Auf einer zweiten Erzählebene begegnet man einem jungen, erfolgreichen Regisseur (Justin Theroux), der die weibliche Hauptrolle seines neuen Films auf Drängen mafioser Geldgeber umbesetzen soll. In die doppelte Handlungsführung werden zunehmend Zweifel an der Realitätstauglichkeit der Geschichte eingearbeitet. Ein mysteriöser Cowboy, das Gesicht des "Bösen" auf einem Parkplatz und ein Mafia-Pate vor einem roten Vorhang komplettieren das groteske Lynch-Universum. Schließlich lässt eine blaue magische Schachtel die Handlung kollabieren. Möglicherweise war alles nur ein Traum und auch im eigenen Kopf beginnen sich die Ebenen zu überlagern. Eigentlich sollte Mulholland Drive der Pilotfilm zu einer neuen Fernsehserie à la Twin Peaks werden. Das erklärt vielleicht die vielen Fährten, die ausgelegt und nur teilweise wieder eingesammelt werden. Lynch steigt in die Albtraumwelten der Traumfabrik hinab und erzählt von den Sehnsüchten und Ängsten, die sich hinter der Fassade von Ruhm und Erfolg verstecken. Er tut das mit seiner typischen Mischung aus Komik, Suspense und einer guten Portion Psychoanalyse. Herausgekommen ist ein interessantes Verwirrspiel ohne Lösungsheft und ein wunderbar eigenwilliges Kinoerlebnis, in dem zu jeder Zeit alles möglich zu sein scheint. Martin Schwickert |