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Prinz 01 / 2002 |
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| Mulholland Drive - Straße der
Finsternis
David Lynch in Hochform: Sein neuer Film "Mulholland Drive - Straße der Finsternis" ist kryptisch, sinister und magisch wie ein zutiefst verstörender Albtraum. Eben ein echter Lynch Er bewahrt zwar rasierte Mäuse im Kühlschrank auf, aber im Gespräch wirkt David Lynch ("Blue Velvet", "Twin Peaks") alles andere als verrückt. Im Gegenteil: Mit seinen sanften Augen, seiner einschmeichelnden Stimme und seinen perfekten Umgangsformen würde er jederzeit einen sensationell guten Priester abgeben, von dem man sich ohne Zögern die Beichte abnehmen ließe. Nachdem er sich eine Zigarette zum Kaffee angesteckt hat, kann der Trip ins Lynch-Labyrinth beginnen. PRINZ: Ist der Mulholland Drive in Los Angeles wirklich so gruselig? David Lynch: (lacht) Nun, immerhin lebe ICH dort. Aber im Ernst: Es ist eine wunderschöne Straße, die sich die Hollywood Hills hochschlängelt. Dann wollten Sie also einen Film über Ihre Nachbarschaft machen? Nicht ganz. Ursprünglich sollte "Mulholland Drive" ja eine TV-Serie werden, ähnlich wie "Twin Peaks". Aber dann wurde sie einfach gekippt - ich weiß bis heute nicht, warum. Da ich aber den Pilotfilm schon fast fertig gedreht und noch so viele Ideen hatte, entschloss ich mich, daraus einen Spielfilm zu machen. Apropos Ideen: Wie kommen Sie eigentlich auf diese oft sehr merkwürdigen Ideen? Das Interessante daran ist, dass nicht ich diese Ideen habe, die Ideen finden mich. Sie kommen von irgendwo her, setzen sich in meinem Kopf fest und beginnen dort langsam zu reifen. Nach und nach fügen sich diese Ideen-Fragmente zu einem Ganzen zusammen. Und ich bin jedesmal fasziniert, wenn ich erkenne, dass das fertige Produkt nur so und nicht anders sein kann. Am Anfang des Films habe ich nicht den blassesten Schimmer, wie er einmal aussehen wird. Sie wirken wie ein sanfter Gentleman. Wie kommt es, dass Sie so schauerlich schöne Filme machen? Ich kann leider weder mit einem Kindheitstrauma noch mit einer wahren Horrorgeschichte dienen. Ich interessiere mich eben sehr für den Horror im Verborgenen, im scheinbar Unschuldigen. Sie scheinen das Zusammenfügen von Gegensätzen zu lieben: Eine grüne Wiese und ein halb verrottetes Ohr - wie in "Blue Velvet"... Ein abgeschnittenes Ohr kann Abgründe auftun. Aber "Blue Velvet" war Mitte der Achtziger schockierend. Gemessen an dem, was heute in Talkshows serviert wird - Inzest, Pädophilie, fast jede Form von Abartigkeit - wirkt der Film harmlos. Ihr Ex-Freundin Isabella Rossellini berichtet, dass Sie in Ihrem Kühlschrank gern tote Mäuse und andere halb verweste Tierkadaver lagern. Das ist richtig. Ich sammle gelegentlich organische Strukturen, um sie vielleicht später für ein Bild oder in einem Film zu gebrauchen. Und wo kann man solche Dinge besser aufbewahren als im Kühlschrank? Jetzt werden Sie etwas unheimlich. Der Verfall von organischem Material hat doch etwas ungeheuer Faszinierendes! Stimmt es, dass Sie einmal eine lebendige Maus rasiert haben? Ja, ich wollte wissen, wie sie ohne Fell ausschaut. Und ich kann Ihnen versichern: Nackt war sie sehr, sehr schön.
Interview: Ulrich Lössl |
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