| Phantopia-Filmprogramm 381 | |
| DER WÜSTENPLANET
(DUNE) 136 (141) Minuten Farbfilm. U.S.A. D.E.: 1984 Darsteller: Kyle MacLachlan (Paul Atreides), Francesca Annis (Lady Jessica), José Ferrer (Padishah, Imperator Shaddam IV:), Max von Sydow (Dr. Kynes), Sting (=Gordon Sumner) (Feyd Rautha), Freddie Jones (Thufir Hawat), Brad Dourif (Pieter de Vries), Kenneth McMillan (Baron Wladimir Harkonnen), Jürgen Prochnow (Herzog Leto Atreides), Linda Hunt (Shadout Mapes), Richard Jordan (Duncan Idaho), Sian Phillips (Ehrwürdige Mutter Gaius Helen Mohiam), Sean Young (Chani), Everett McGill (Stilgar), Dean Stockwell (Dr. Wellington Yueh), Paul Smith (Rabban, "das Biest"), Virginia Madsen (Prinzessin Irulan), Patrick Stewart (Gurney Halleck), Silvana Mangano (Ehrwürdige Mutter Ramallo), Jack Nance (Nefud), Leonard Cimino (Baron Harkonnens Arzt), Alicia Roanne Witt (Alia), Judd Omen (Jarnis), Danny Corkill, Anthony Masters, Molly Wryn, Honorato Magalone. Musik: Toto, Brian Eno, Marty Paich. Ton: Alan R. Splet. Kamera: Freddie Francis. Schnitt: Anthony Gibbs. Spezialeffekte: Kit West, Charles R. Finance, Barry Nolan, Albert J. Whitlock, Carlo Rambaldi, Brian Smithies. Make-up-Effekte: Gianetto De Rossi. Kostüme: Bob Ringwood. Ausstattung: Pierluigi Basile, Benjamin Fernandez, Anthony Masters, Giorgio Desideri. Buch: David Lynch. Vorlage: Frank Herbert. Produktion: Dino De Laurentiis Prod, Universal. Produzenten: Dino De Laurentiis, Raffaella De Laurentiis. Regie: David Lynch. Verleih: Neue Constantin. Katholische Filmkritik: Der Kampf um die Befreiung eines Planeten von seinen Unterdrückern endet dank einer "Erlöserfigur" siegreich. In einer optisch reichen, originellen und bizarren Bilderwelt beschworenes vielschichtiges Science-fiction-Märchen. Seine soziale, ökologische und religiöse Aussage verliert durch eine wirre Dramaturgie und die nicht immer konsequente Auflösung des literarischen Stoffes in Filmsprache aber an Tiefe und Sinnfälligkeit. Für Fantasy- und Science-fiction-Freunde dennoch von Interesse. Jürgen Krainhöfer für PHANTOPIA: Im Jahre 10.191 herrscht Imperator Shaddam IV: (José Ferrer) über das Universum. Grundlage seiner Macht ist die Kontrolle über die Droge Spice, die es den Raumschiffnavigatoren ermöglicht, den Raum mittels Gedankenkraft zu krümmen und unvorstellbar große Entfernungen in wenigen Tagen zurückzulegen. Nach Arrakis, dem Wüstenplaneten und Ursprung dieses Gewürzes, wird der beliebte, und darum für den Imperator gefährliche Herzog Atreides (Jürgen Prochnow in seiner besten Hollywoodrolle) abkommandiert. Schon bald fällt der schwermütige Adlige einer Intrige der mit ihm verfeindeten Harkonnenfamilie zum Opfer. Sein Sohn Paul (sehr ernst und sehr blaß: Kyle MacLachlan) und seine Geliebte Jessica (Francesca Annis), ein ehemaliges Mitglied des Geheimordens der Bene Gesserit, entkommen mit Hilfe der Fremen. Diese Ureinwohner leben in den von riesigen Sandwürmern bewohnten Wüsten und sind durch permanenten Kontakt mit dem Spice mutiert. Sie sehen in Paul den Muad`dib, der ihren Planeten von den fremden Herrschern befreien wird. Frisch verliebt in Chani (atemberaubend schön: Sean Young) beschließt Paul, die Fremen in den Kampf gegen die Besatzer zu führen... DER WÜSTENPLANET ist der grandios gescheiterte Versuch des jungen David Lynch, ein als unverfilmbar geltendes Monument der Science-fiction-Literatur auf die Leinwand zu bringen. Wer den 136 Minuten langen Film gesehen hat, wird sich noch lange an viele beeindruckende Szenen erinnern. Der Klang der "Stimme" der Bene Gesserit, der einem das Blut in den Adern gefrieren läßt, der widerlich fette und gräßlich entstellte Baron Harkonnen, dessen Speichel Jessica nach ihrer Gefangennahme langsam das Gesicht hinunterrinnt, die tief "spice" blauen Augen Sean Youngs, denen kein Mann widerstehen könnte, oder die sich im Wüstensand aufbäumenden Sandwürmer brennen sich ins Gedächtnis ein. Aber Lynch schafft es nicht, diese filmischen Perlen zu einer harmonischen, dramaturgisch fesselnden Kette aneinanderzureihen. Der Film ist eine kurz geratene Zusammenfassung eines literarischen Mammutwerkes, dem in wichtigen Szenen die Zeit fehlt, den Betrachter durch Genauigkeit und Tiefe in der Charakterzeichnung der Personen in seinen Bann zu ziehen. Dazu kommt eine Besetzung, die entweder überfordert (Sting spielt den Feyd Rautha so flachbrüstig, wie er singt) oder an kurze Auftritte (Sean Young hätte endlich einmal eine Hauptrolle in einem Spitzenfilm verdient) verschenkt ist. Die Bösen sind häßlich und grenzdebil, die Guten schön und edel. Daß Lynch sich mehr für das dunkle, von der Architektur Venedigs inspirierte Dekor begeistert und dabei die Figurenzeichnung sträflich vernachlässigt, ist ein entscheidender Grund für den finanziellen Mißerfolg DUNEs. Dem Regisseur ist es zwar gelungen, ein optisches Meisterwerk (nur im Kino richtig zu genießen) zu kreieren, das in seinen besten Momenten LAWRENCE VON ARABIEN mit dem KRIEG DER STERNE verbindet. Die Vorhersehbarkeit der konventionellen Gut-und-Böse-Geschichte und die Lieblosigkeit in der Charakterzeichnung der Protagonisten verhindert aber, daß DER WÜSTENPLANET einen Platz im Olymp der Science-fiction-Klassiker verdient. Uwe Raum-Deinzer für PHANTOPIA: DUNE war das einzige Großprojekt, in das sich David Lynch je verwickeln ließ, und vom kommerziellen Standpunkt aus ist er zweifellos gescheitert. Da es ohnehin unmöglich ist, Frank Herberts Hunderte von Seiten dicken Wälzer in Spielfilmlänge zu pressen, braucht es nicht zu verwundern, daß manches bei Lynchs Film nur kurz angerissen und vieles weggelassen wird. Herberts Methode, religiöse, politische und philosophische Dimensionen detailreich auszubreiten, kann im Kino keine Entsprechung finden. Andererseits ist die langatmige DUNE-Romanreihe trotz allen Kults, der damit veranstaltet wird, literarisch keineswegs von allzu großer Wortkraft, wohingegen dem Filmemacher Lynch oft ein Bilderrausch gelingt, der einen direkt in bizarre fremde Welten und Kulturen versetzt. Aus Herberts Ideenvielfalt schöpfend, kreiert der weniger an einer konkreten Weltbeschreibung als an einer visuellen Erfahrung interessierte Lynch eine optische Delikatesse voller dunkler Verschwörungen, spektakulärer Abenteuer und galaktischer Heilsmystik, die keineswegs perfekt ist, aber an Reichtum und Schönheit allen anderen Space-Operas der Epoche weit voraussegelt. Lynch mag gescheitert sein, aber dieses Scheitern ist viel mehr wert als das Gelingen eines George Lucas` oder Roland Emmerichs. PHANTOPIA-Filmkritik: Optisch eindrucksvolle Weltraum-Oper, die den Zuschauer mit ihrem Überfluß an grandiosen Schauwerten geradewegs zu erschlagen droht. Leider hat Lynch bei seiner monumentalen Bildsprache die Handlung völlig aus den Augen verloren. Sein verwirrendes, langatmiges Mystik-Puzzle ist wie ein nicht enden wollender Spaziergang durch glühendheißen Wüstensand: Ermüdend und durstig-machend. - Gott sei Dank wartet die entzückende Sean Young in einigen Oasen dieses trägen Films ... |
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