Die Welt 20.8. 1992

David Lynch hat die Fortsetzung von "Twin Peaks" nach vorn verlegt

Fratzen hinter freundlichen Fassaden

Die "wohl berühmteste Leiche Amerikas" - behauptet der Verleih - ist wiederauferstanden: Laura Palmer (Sheryl Lee), deren Ermordung die schräge Fernsehserie "Twin Peaks" einleitet, ist von Regisseur David Lynch fürs Kino wiederbelebt worden. Statt einer Fortsezung, im Hollywood-Jargon "Sequel" gibt`s diesmal ein "Prequel": Lynch erzählt die letzte Woche im Leben der Laura Palmer. Doch wer glaubt, er werde die rätselhafte Fernsehgeschichte durch den Kinofilm besser verstehen, der hat David Lynch nicht verstanden.
Selbstverständlich bricht der Skandal-Regisseur auch diesmal mit den Erwartungen des vom Fernsehen dressierten Publikums und zeigt den Horror des netten Alltags in einer amerikanischen Kleinstadt. Hinter den freundlichen Fassaden dräut das Böse, dem mit konventionellen Mitteln nicht beizukommen ist. "Twin Peaks - der Film" soll "eine metaphorische Horrorgeschichte, eine dunkle Meditaion über Magie und Inzest, über mentale und körperliche Gewalt" sein. Da bedarf es schon der intuitiven Fähigkeiten des FBI-Agenten Dale Cooper (Kyle MacLachlan), der diesmal von den prominenten Kollegen David Bowie, Kiefer Sutherland und Chris Isaak unterstützt wird - was Laura Palmer jedoch nichts nützt, wie wir, die wir die Zukunft bereits aus dem Fernsehen kennen, ja bereits wissen.

Back